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Altenpfleger müssen teilweise wochenlang durcharbeiten

Aachen. Der Altenpflege droht der Kollaps. Diese Nachricht ist nicht neu. Doch die Dringlichkeit, mit der 6500 Caritas-Mitarbeiter aus dem Bistum Aachen jetzt in einem offenen Brief an Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)  eine „Wende zum Besseren“ fordern, lässt erneut aufhorchen. 

Da ist die Rede von Dienstplänen, die kaum noch geschrieben werden können, ohne dass gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen wird. Rolf Cleophas, Vertreter der arbeitsrechtlichen Kommission des Caritasverbandes im Bistum, konkretisiert: „Mitarbeiter müssen teilweise wochenlang durcharbeiten, Heime können nicht planen, weil alleine die Pflegestufe über die Menge des Personals entscheidet.“ 

Rolf Cleophas und Josef Wählen als Sprecher des überbetrieblichen Mitarbeiterzusammenschlusses vertreten die Interessen von rund 19 300 Beschäftigten in den 229 kirchlichen Pflegeeinrichtungen im Bistum Aachen.   Sie malen ein düsteres Bild für die Zukunft: Wenn nicht gegengesteuert werde, werde die Pflege alter Menschen in den kommenden Jahren vollends zusammenbrechen. 

In dem Brief werden die teilweise gravierenden Missstände vor allem in den 92 katholischen Altenheimen des Bistums angeprangert. Zuschläge für Überstunden und Schichtarbeit? Fehlanzeige. Vielerorts würde dies die Einrichtungen an den Rand ihrer Existenz bringen. Familiengerechte Arbeitszeiten? Fehlanzeige. Dabei sind mehr als 80 Prozent der Beschäftigten in der Pflege Frauen. Mitbestimmungsrechte? Fehlanzeige. Für so etwas wie einen Betriebsrat hat niemand mehr Zeit. 

Die Forderung lautet, mehr und besser bezahltes Personal, um kranke und sterbende Menschen in Würde pflegen zu können. „Das ist das A und O“, sagt Rolf Cleophas, „aber der Beruf ist unattraktiv. Man muss sich richtig was einfallen lassen, um Personal zu gewinnen. Das kostet Geld.“ Davon sei noch genügend im System, meint er. Zum Beispiel könne man durch Reduzierung des immensen Verwaltungsaufwands  „noch viel Geld rausholen“. 

Wie es besser gehen kann, zeigen die St. Gereon Seniorendienste in Hückelhoven. Da hat man ein Modell entwickelt, um den Job als Altenpfleger attraktiv zu machen: Den rund 200 Auszubildenden wird bei Bedarf der Führerschein bezahlt, bei ungeplanten Sonderdiensten bekommen die Mitarbeiter Gutscheine für attraktive Freizeitangebote. Bester Beweis für den Erfolg der Maßnahmen: Der Krankenstand liegt bei zwei Prozent, andernorts sind es zehn Prozent. Junge Leute reißen sich um eine Stelle bei diesem Arbeitgeber.

 

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